Nicole Hein - Freie Journalistin und Autorin

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Westfälische Nachrichten "Zeit für Zukunft" (März 2007), Textauszug:

Der Experte für Extrawünsche

Westfälische Nachrichten, Zeit für Zukunft April 2007, Seite 8 Klaus Doll baut seit 1984 in Burgsteinfurt Gitarren, Dulcimers und Mandolas, die er bis nach Alaska verkauft. Aber um von seiner Kunst leben zu können, bietet der ehemalige Medizinstudent auch Gitarren von der Stange an.

In Klaus Dolls Musikgeschäft in Burgsteinfurt findet man keine karierten Kanarienvögel. Die sind alle ausgeflogen: nach Laer, England, Texas und bis nach Alaska. Als "karierte Kanarienvögel" bezeichnet der Instrumentenbauer außergewöhnliche Aufträge. Instrumente, über deren Statik er lange grübelt und bei denen er schon einmal drei, vier Monate lang nur am Griffbrett arbeitet. Wie an der Gitarre, die das Portrait ihres Eigentümers, dargestellt als mittelalterlicher Narr, unter ihren Saiten trägt. Oder die Gitarre, die in drei Teile zerlegt in ein Köfferchen passt und ihren Besitzer auf die Goldfelder Alaskas begleitet. Maximal zehn von diesen Aufträgen schafft der 52-Jährige pro Jahr.

Da es sich nicht alleine von den in Handarbeit gefertigten Gitarren, Dulcimers, Mandolinen oder den mittelalterlichen Rebecs leben lässt, verkauft er außerdem Instrumente "von der Stange". E-Gitarren, Verstärker oder klassische Gitarren für angehende Musikschüler. Doch sein Herz gehört der Arbeit mit Holz.

Schon früh fing Klaus Doll an, Instrumente zu reparieren. Als Student der Medizin, zunächst in Antwerpen, später in Münster, verdiente er damit seinen Lebensunterhalt. Bis zum Bau seiner ersten eigenen Gitarre war es für ihn nur noch ein kleiner Schritt. "Das Material für den Hals habe ich aus einem Stück Ahorn geschnitzt, das mir ein Freund aus England geschickt hat", erinnert er sich. "Der Rest stammte weitgehend aus Abfallhölzern." Das Instrument war der Anfang ‐ und das Ende seiner Karriere als Arzt. Er gab das Studium auf und stellte sich mit seinem Meisterstück bei fast vierzig Instrumentenbauern vor. Doch überall erntete er nur Kopfschütteln: "Ausbildungsplätze waren damals nicht zu kriegen." [...]

 

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