Nicole Hein - Freie Journalistin und Autorin

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Münsterland - Magazin für Freizeit, Kultur und Wirtschaft (2/2010), Textauszug:

Ein Coach für Pferde

Leitstutenfunktion, Kauen, Bilder im Kopf - für alle, die nichts mit Pferden zu tun haben, klingt das nach Reiterlatein. Doch für Janet Rosenberger gehören diese Begriffe zum Alltag. Die Pferdeflüsterin aus Datteln hat einen stillen Weg gefunden, um mit schwierigen Vierbeinern zu kommunizieren.

Janet Rosenberger löst Probleme. Probleme, die 600 bis 700 Kilogramm auf die Waage bringen und mitunter wie beim Rodeo durch den Sand bocken oder vor dem Anhänger auf zwei Beinen stehen. Angst kennt sie dabei nicht. Denn ihre Unruhe würden wiederum die Pferde spüren - und sich noch mehr aufregen. Vielmehr vermittelt die Tierpsychologin aus Datteln ihnen durch ihre Körpersprache und ganz klare Bilder im Kopf Sicherheit. "Ich übernehme die Funktion der Leitstute", erklärt die 42-jährige, die sich selbst als Coach für Mensch und Pferd versteht. Für die Tiere bedeutet das, sie müssen sich unterordnen, aber auch, dass jemand auf sie aufpasst. Die meisten Pferde nehmen ihre Rolle bereitwillig an und folgen Janet Rosenberger ohne Strick mit gesenktem Kopf überall hin. Eine leichte Drehung des Körpers, ein Heben des Armes und schon wissen die Vierbeiner, wo es langgeht. Die zweibeinigen Zuschauer bei den Seminaren, die Janet Rosenberger veranstaltet, bekommen oft nur einen Bruchteil der stillen Kommunikation zwischen Mensch und Tier mit. "Deshalb erkläre ich den Teilnehmern ganz viel", berichtet die Tierpsychologin. "Ich zeige ihnen zum Beispiel, wenn ein Pferd kaut. Denn das bedeutet, das Tier ist konzentriert und arbeitet mit." Die Seminare und Einzelcoachings, die Janet Rosenberger anbietet, finden auf Reiterhöfen in ganz Deutschland statt. Sie richten sich an erfahrene Pferdeleute sowie an Neulinge im Umgang mit den Vierbeinern. "Wichtig ist, dass die Teilnehmer bereit sind, sich weiterzubilden", sagt Rosenberger. Denn was sie ihnen in den Kursen mit Titeln wie "Verladetraining" oder "stressfreier Umgang mit Pferden" vermittelt, ist für viele Neuland - genauso wie es das für sie früher selbst war.

Mit 21 Jahren kaufte sie sich ihr erstes eigenes Pferd. Ein Fohlen, bei dessen Aufzug sie alles richtig machen wollte. "Tatsächlich habe ich mit der Stute alle Probleme gehabt, die man nur haben kann", erzählt sie rückblickend. "Das ganze war eine Katastrophe und ging so weit, dass ich Angst hatte, in die Box zu gehen." Dass etwas passieren musste, war klar. Nur was? Zu der Zeit ging ein Name rund um die Pferdewelt: Monty Roberts. Der amerikanische Pferdeflüsterer, der schwierige Pferde innerhalb von wenigen Minuten folgsam wie kleine Hunde macht und traumatisierte Tiere wieder ins Leben zurückholt. [...]

 

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