Nicole Hein - Freie Journalistin und Autorin

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Fliege - Die Zeitschrift (Januar 2006), Textauszug:

Der Pfarrer und der Pinguin

Jürgen Fliege live im Buß- und Bettagsgottesdienst der ARD

Fliege - Die Zeitschrift, Januar 2006, Seite 58 Zum ersten Mal in seinem Leben besuchte Brillenpinguin-Dame Sandy einen Gottesdienst - und kam gleich ins Fernsehen. Es ging um Nachwuchs und die Zukunft. Es ging darum, dass es zu wenig Vertrauen gibt und zu wenige Kinder. Und darum, was wir von den Pinguinen lernen können: Glaube, Liebe, Hoffnung.

Aufgeregt wie Erstklässler scharren die Westfalen, denen man sonst doch eher Gelassenheit nachsagt, in den Holzbänken der Gnadenkirche in Münster mit ihren Füßen. Viertel vor zehn. Noch fünfzehn Minuten bis zur Live-Ausstrahlung des Buß- und Bettagsgottesdienstes in der ARD. Jetzt ergreift die Nervosität sichtbar auch das Fernsehteam. Zum x-ten Mal gehen die Kameraleute ihre Drehanweisungen durch, checken die Techniker Ton und Licht. Dann ist es soweit. Unsichtbar für die Gemeinde gibt die Regie ein Zeichen: Die Kameras laufen, der Bläserkreis Bochum spielt die ersten Töne und Jürgen Fliege begleitet Pinguin Sandy durch den Mittelgang der Kirche Richtung Altar.

Der Pinguin im Frack

Fliege - Die Zeitschrift, Januar 2006, Seite 60 "Wir haben uns hier versammelt, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Im Namen des Schöpfers, der Himmel und Erde geschaffen hat, Menschen, Tiere, die Pflanzen und die Planeten. Und in diesem großen Namen heiße ich sie willkommen", begrüßt Jürgen Fliege die anwesenden Münsteraner, die Zuschauer zu Hause vor dem Bildschirm sowie den besonderen Gast, Sandy. Der Pinguin hat inzwischen auf dem Schoß seines Pflegers Peter Vollbracht Platz genommen. "Das ist vermutlich dein erster Gottesdienst, oder?" scherzt Jürgen Fliege mit dem Pinguin aus dem Allwetterzoo Münster. Und mit der Gemeinde: "Er sieht ein bisschen aus wie ein evangelischer Pfarrer, finden Sie nicht auch?" Aber trotz der auflockernden Späße ist sein Anliegen ernst.

Die Kinder fehlen

An diesem Buß- und Bettag Mitte November 2005 dreht sich in der Evangelischen Gnadenkirche alles um die Zukunft. Denn die "ist uns schon verloren gegangen. Sie ist uns aus den Händen gerutscht", sagt Jürgen Fliege. "Wir haben zu wenig Kinder." Von diesem Problem möchte er "dem Vater im Himmel" erzählen und ihn bitten, sich dessen anzunehmen. "Aber damit es echt ist, wollen wir Dir auch echte Geschichten erzählen." Eine handelt von Cornelia Gürtler. Die junge Frau hat sich bewusst gegen Kinder entschieden. "Es gibt viele Möglichkeiten im Leben etwas zu geben", erläutert sie ihren Entschluss. "Ich besuche beispielsweise regelmäßig einen alten Mann. Ich habe ihn per Zufall kennengelernt. Außerdem habe ich in den 1990er Jahren einen humanitären Verein mitgegründet, medica mondiale." [...]

 

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